Die natürliche Atmung
Die Atmung ist die Grundlage allen Lebens. Jeder Mensch atmet auf seine, ihm eigene Art. Er nimmt den Atem von außen bewusst oder unbewusst hinein. Die Art der Atmung bringt die körperlichen Belastungen genauso zum Ausdruck wie die seelischen Belastungen (z.B. Wut, Trauer , Stress).
Die natürliche Atmung ist auch die gesunde Atmung. Diese ermöglicht es, die täglichen Ansprüche, die die Umwelt an uns stellt, seien sie nun körperlicher oder eher seelischer Natur, erfüllen zu können und nicht an ihnen zu scheitern.
Die natürliche Atem-, Stimm- und Sprachtherapie basiert auf folgenden Schwerpunkten:
- Reaktivierung und Unterstützung der Nasenatmung
Die Nase hat die Aufgabe, die Atemluft zu filtern, zu reinigen, anzufeuchten und zu erwärmen. Die Erwärmung der Atemluft ist vor allem zur Vermeidung von Temperaturschwankungen wichtig. Damit kann die Kälte als Auslöser, z.B. für Asthmaanfälle und winterliche Erkältungskrankheiten, vermieden werden.
Auch muss beim Atmen durch die Nase die Luft einen größeren Widerstand überwinden als bei der Mundatmung. Dadurch wird die Atmung insgesamt verlangsamt und ein gleichmäßigerer Atemrhythmus wird erreicht.
So können mit der Nasenatmung zusätzlich Entspannung und Stressabbau bewirkt werden, ähnlich wie bei gutem Yoga- oder Autogenem Training.
- Aktivierung der Zwerchfell-Atmung
Das Zwerchfell ist der größte an der Atmung beteiligte Muskel. Wenn sich das Zwerchfell zusammenzieht, folgt die Lunge durch Unterdruck passiv dem Zwerchfell und dehnt sich aus. Die Luft strömt herein die Einatmung erfolgt. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell wieder, die Lunge zieht sich zusammen.
Atmet ein Mensch nur flach, wird die Leistung des Zwerchfells nicht voll ausgenutzt.
Bei jedem Atemzug werden (je nach Körpergröße und -bau) ca. 350 bis 500 ml Luft eingeatmet- bei flacher Atmung weniger. Von dieser eingeatmeten Luft gelangen aber nur ca. 2/3 in die Lungenalveolen hinein und nehmen wirklich am Gasaustausch (Sauerstoff hinein, Kohlendioxid hinaus) teil. Das restliche 1/3 des Atemzuges verbleibt in den größeren Atemwegen wie Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien (sog. Totraum) und kann daher nicht am Gasaustausch teilnehmen.
Vergleicht man die flache, schnelle Atmung (30 Atemzüge pro Minute mit je 200 ml Atemvolumen ergeben 6 l Atemluft in der Minute) mit der tiefen, langsamen Atmung (10 Atemzüge pro Minute mit je 600 ml Atemvolumen ergeben auch 6 l Atemluft in der Minute) so kommt man scheinbar zu der gleichen Atemmenge.
Bedenkt man aber, dass das Totraumvolumen ca. 150 ml pro Atemzug ausmacht und nur die dann noch verbleibende Luft für den Gasaustausch in den Alveolen zur Verfügung steht, ergibt sich folgendes:
Flache, schnelle Atmung: von 6 Litern Atemluft pro Minute nehmen nur 1,5 Liter am Gasaustausch in den Lungenalveolen teil.
Tiefe, langsame Atmung: von ebenfalls 6 Litern Atemluft pro Minute nehmen hier aber 4,5 Liter am Gasaustausch teil.
Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, wie wichtig die Zwerchfell-Atmung ist, um eine tiefe Atmung zu erreichen und den Atemeffekt zu optimieren.
Desweiteren wird mit der Zwerchfellatmung direkt der Magen-Darm-Trakt beeinflusst. Das Zwerchfell liegt als kuppelförmiger Muskel zwischen Brust- und Bauchraum. So wird mit jedem Atemzug durch die Spannung und Entspannung des Zwerchfells eine innere Massage des Magen-Darm-Traktes ausgeführt.
- Aktivierung der natürlichen Atmung als Wiederentdeckung der eigenen und ursprünglichen Kraftquelle
Dies ist der wichtigste Aspekt der Atemtherapie. Die natürliche Atmung, die die meisten Menschen leider nur als Kleinkind besitzen und im Laufe ihres Lebens verlieren, wird wiedererlangt. Dadurch kann Einfluss genommen werden auf die körperlichen und seelischen Spannungen, unter denen ein Mensch leidet.
Die Aktivierung der Psyche wird durch die bewusste Wahrnehmung des hereingenommenen Atems erreicht und bringt gleichzeitig eine Beruhigung, Entspannung und Angstminderung.
Stress, Angst und seelische Belastungen als Auslöser und Verstärker für zahlreiche Krankheiten werden damit reduziert bzw. man lernt mit diesen negativen Faktoren gesund umzugehen.
Diese Therapie ist so stark mit der Selbstwahrnehmung des Lernenden verbunden, dass die schriftliche Beschreibung das Wichtigste nicht erfassen kann. Vor allem da die praktische Handhabung dem Lernenden aus der Vokalisierung einer Melodie erschlossen wird. Dies ist nur von Mensch zu Mensch vermittelbar, nur durch lesen kann man dieses nicht erfahren.
Dass meine Aussage in der praktischen Ausführung bereits in der 1. Stunde umsetzbar ist und wirksam wird, kann jeder an sich selbst erleben, erkennen und fühlen.
Ihr
Werner Plath
Zur Atem-, Stimm- und Sprachtherapie nach der Schule von Fritz Jaeger
Fritz Jaeger (1907 - 2001) hat seine Atem-, Stimm- und Sprachtherapie im Laufe seines Lebens auf der Grundlage der Belcanto-Lehre Giovanni Battista Lamperti, der „ästhetischen Erziehung“ Friedrich Schillers und der Antroposophie Rudolf Steiners entwickelt und erarbeitet.
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